Ehemalige ukrainische Kriegsgefangene berichten in Berlin und Dresden von russischer Haft

Vom 25. bis 28. Februar 2026 fand im Rahmen des Projekts „Wenn Krieg Gesichter bekommt – ukrainische Verteidiger berichten von ihren Erfahrungen in russischer Haft“ eine mehrtägige Delegationsreise dreier ehemaliger ukrainischer Kriegsgefangener sowie von Vertretern des ukrainischen Koordinationshauptquartiers für Kriegsgefangene nach Berlin und Dresden statt. Ziel der Reise war es, persönliche Zeugnisse aus russischer Gefangenschaft mit politischem Dialog, medialer Öffentlichkeit und zivilgesellschaftlichem Austausch zu verbinden.

Den Auftakt bildete ein gemeinsames Mittagessen in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin, zu dem Markus Franke, der Leiter der Landesvertretung, eingeladen hatte. Vertreterinnen und Vertreter des diplomatischen Korps, des Deutschen Bundestages, der Bundeswehr, der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie weiterer Institutionen nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit der Delegation. In vertraulicher Atmosphäre berichteten die ehemaligen Kriegsgefangenen von ihren persönlichen Erfahrungen in russischer Haft und sprachen über die Situation ukrainischer Gefangener, völkerrechtliche Fragen sowie die Herausforderungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Ein besonderer Schwerpunkt der Reise lag auf dem Austausch mit jungen Menschen. An einem Berliner Gymnasium berichteten die ehemaligen Soldaten Schülerinnen und Schülern von ihren Kriegserfahrungen und stellten sich den zahlreichen Fragen der Jugendlichen. Es entwickelte sich ein intensiver Dialog über Krieg, Verantwortung und die Bedeutung von Freiheit und Demokratie. Die Offenheit der Jugendlichen und die unmittelbare Konfrontation mit den Lebensrealitäten der ukrainischen Gäste führten zu bemerkenswert reflektierten Gesprächen.

Weitere Gesprächstermine in Berlin führten die Delegation unter anderem in den Deutschen Bundestag zu einem Hintergrundgespräch mit einem stellvertretenden Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Zudem berichteten die Gäste in der „Denkbar“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in kleinerem Kreis von ihren persönlichen Erfahrungen.

Am Freitagmorgen wurde die Delegation in der Sächsischen Staatskanzlei von Dr. Andreas Handschuh, Chef der Staatskanzlei, empfangen. Bei einer internen Veranstaltung, die auf freiwilliger Basis für alle Mitarbeitenden offenstand, kam es zu einem ressortübergreifenden Austausch mit Fachreferentinnen und Fachreferenten sowie Abteilungsleitungen. Trotz parallel stattfindender Termine war der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt – ein deutliches Zeichen für das große Interesse an den Berichten der ukrainischen Gäste.

Im Anschluss fand im Sächsischen Landtag eine Pressekonferenz mit großer medialer Resonanz statt. In der Folge erschienen mehrere Beiträge, unter anderem in der FAZ, der Sächsischen Zeitung sowie im MDR SachsenSpiegel. Anschließend wurden die Gäste vom Präsidenten des Sächsischen Landtags, Alexander Dierks, empfangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen tauschten sich die ehemaligen Kriegsgefangenen mit zahlreichen Landtagsabgeordneten von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und SPD aus.

Am Freitagabend kamen bei einem informellen Netzwerktreffen in Dresden zahlreiche lokale Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft zusammen, darunter Vertreter der Staatskanzlei, des Stadtrats, der ukrainischen Community sowie weiterer Initiativen. In persönlicher Atmosphäre wurde bis in die späten Abendstunden über die Situation in der Ukraine und die Bedeutung europäischer Solidarität diskutiert.

Am Samstag hatten die Gäste zunächst Gelegenheit, Dresden zu erkunden, bevor am Abend die öffentliche Abschlussveranstaltung in der Unterkirche der Stiftung Frauenkirche Dresden stattfand. Mehr als 150 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil. Nach einleitenden Worten von Maria Noth (Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden), Ronny Heine (Konrad-Adenauer-Stiftung), Landtagspräsident Alexander Dierks und Oliver Schenk berichteten die ehemaligen Soldaten Ruslan Odaiskyi, Gennadiy Kharchenko und Huan Leyva-García von ihren Erfahrungen im russischen Angriffskrieg und in der anschließenden Kriegsgefangenschaft.

Gennadiy Kharchenko und Huan Leyva-García schilderten die wochenlange Verteidigung der eingeschlossenen Stadt Mariupol und des Stahlwerks Azovstal. Am 20. Mai 2022 legten sie auf Befehl des ukrainischen Oberkommandos die Waffen nieder und wurden in russische Gefangenschaft überführt. Ruslan Odaiskyi geriet am 4. Dezember 2022 in Gefangenschaft, nachdem er infolge schweren Artilleriebeschusses das Bewusstsein verloren hatte.

Die drei Soldaten berichteten eindringlich von den traumatischen Erfahrungen während ihrer Haft. Dazu gehörten systematische Misshandlungen, Folter durch Elektroschocks, extreme Temperaturen in den Duschen sowie tägliche Schikanen durch Gefängnispersonal. Zudem beschrieben sie die Willkür des russischen Justizsystems, das ihnen haltlose Kriegsverbrechen vorwarf. Besonders erschütternd war der Bericht von Gennadiy Kharchenko, der Zeuge der Explosion im Gefangenenlager von Oleniwka wurde, bei der mehr als 50 ukrainische Kriegsgefangene ums Leben kamen.

Im Anschluss an das Gespräch hatten die Gäste im Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den ehemaligen Soldaten ins Gespräch zu kommen. Der offene Austausch verdeutlichte die große Anteilnahme der Anwesenden und bot Raum, das Gehörte gemeinsam zu reflektieren.

©Pawel Sosnowski

Die Delegationsreise hat eindrücklich gezeigt, wie wirksam persönliche Zeugnisse in einer von Desinformation geprägten Debatte sein können. Gerade im ostdeutschen Kontext eröffnet der direkte Dialog Räume für differenzierte Auseinandersetzung, Empathie und faktenbasierte Diskussion. Die Begegnungen in Berlin und Dresden haben damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, zum Verständnis der Situation in der Ukraine und zur Vernetzung von Politik und Zivilgesellschaft geleistet.

Ein besonderer Dank gilt allen Partnern und Unterstützern, die diese Reise möglich gemacht haben – insbesondere der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Stiftung Frauenkirche Dresden, der Sächsischen Landesvertretung in Berlin, der Sächsischen Staatskanzlei, dem Sächsischen Landtag sowie allen weiteren beteiligten Organisationen und Helferinnen und Helfern. Ihr Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, den Stimmen der ukrainischen Verteidiger Gehör zu verschaffen und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Situation in der Ukraine zu leisten.

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