Was Europa von Südkorea lernen kann


Ich bin gerade aus Südkorea zurückgekehrt. Die Reise nach Seoul war für mich auch mit Blick auf meine neue Aufgabe im Europäischen Parlament besonders interessant. Als Berichterstatter für die Überarbeitung des Europäischen Chips Act beschäftige ich mich in den kommenden Monaten intensiv mit der Frage, wie wir Europas Halbleiterindustrie stärken und unsere technologische Wettbewerbsfähigkeit sichern können.
Südkorea zeigt eindrucksvoll, was eine langfristige Strategie bewirken kann. Halbleiter werden dort seit Jahrzehnten als strategische Schlüsselindustrie betrachtet. Politik, Forschung und Unternehmen arbeiten eng zusammen und verfolgen gemeinsame Ziele über lange Zeiträume. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiges industrielles Ökosystem, das weit über einzelne Unternehmen hinausgeht. Unternehmen wie Samsung und SK hynix sind dabei weltweit führend.
Natürlich lassen sich die Voraussetzungen Südkoreas nicht eins zu eins auf Europa übertragen. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die dortige Entwicklung. Entscheidend ist für mich die Frage, welche Rahmenbedingungen dazu beigetragen haben, dass aus technologischer Forschung industrielle Stärke entstehen konnte.
Auch Europa verfügt über hervorragende Voraussetzungen. Wir haben starke Unternehmen, leistungsfähige Forschungseinrichtungen und bedeutende Mikroelektronikstandorte. Sachsen ist dafür ein besonders gutes Beispiel. In Dresden und der Region ist über viele Jahre ein Ökosystem entstanden, in dem Unternehmen, Forschung, Hochschulen, Zulieferer und Fachkräfte eng miteinander verbunden sind.


Genau diese vorhandenen Stärken müssen wir auf europäischer Ebene besser zusammenbringen. Der neue Chips Act 2.0 bietet dafür eine wichtige Gelegenheit. Europa muss seine eigenen technologischen Fähigkeiten weiterentwickeln und gleichzeitig dafür sorgen, dass Investitionen in Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion auch tatsächlich in Europa stattfinden.
Die Reise nach Südkorea hat mir dabei noch einmal gezeigt, wie wichtig langfristiges Denken bei Schlüsseltechnologien ist. Technologische Stärke entsteht nicht kurzfristig. Sie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionen und ein Zusammenspiel von Politik, Forschung und Wirtschaft.
Diese Erfahrungen nehme ich nun mit in die Arbeit am Chips Act 2.0.

